Mit OBENAUF um die Welt: Zentral-Amerika (Teil 1)

zentral-amerika-teil1-08

Wer unseren Kaffee kennt, der weiß, dass wir immer weltweit auf der Suche nach den besten Kaffees sind – und dafür weder Kosten noch Risiken scheuen. Nach unserem Trip nach Indien, den ihr hier ebenfalls in unserem Blog findet, waren wir dieses Mal in Mexico und El Salvador. Und was wir dort neben der heimischen Küche und der Suche nach den besten Bohnen erlebt haben, könnt ihr hier erfahren!

Von Frankfurt aus ging es los Richtung Mexico City, wo wir uns ausgehungert gleich mit der traditionellen mexikanischen Küche vertraut gemacht haben. Die leckeren Totopos sind das, was wir in Deutschland unter Nachos kennen. In Mexiko wird lediglich die dazu gereichte Käsesauce als Nacho bezeichnet. Gleich mal wieder etwas gelernt! Dazu gab es Tequilla, welchen wir klassisch als Bandera angeboten bekamen. Bandera bedeutet, dass auf einmal drei Gläsern in den mexikanischen Landesfarben vor uns standen: Eins gefüllt mit einer Tabasco-ähnlichen Chilisauce, eines mit Limettensaft und natürlich ein Glas Tequilla.

Das Interessante daran: Aufgrund der Schärfe der Chilisauce und der Säure der Limetten verzieht es selbst dem ungeübten Mitteleuropäer nicht mehr das Gesicht, wenn man beim Tequilla angekommen ist.

Nach diesem kurzen Eintauchen in die mexikanischen Essens- und Trinkgewohnheiten ging es am nächsten Tag Richtung Guatemala City weiter, von wo aus wir mit dem Bus nach El Salvador weiterfuhren. An der Grenze zu El Salvador wurden wir ausgiebig kontrolliert und nach den Gründen unserer Einreise befragt. Scheinbar fahren nicht all zu viele Touristen mit dem Bus nach El Salvador. Nach der Kontrolle ging es weiter zu unserem Kontaktmann Andrés, dem Kaffeefarmer.

zentral-amerika-teil1-01

Anfangs waren wir irritiert durch die schwer bewaffneten Wachposten, die mit Maschinengewehren im Anschlag das riesige Anwesen von Andres Eltern bewachten. Dafür gibt es aber eine einfache Erklärung: Andrés Vater war Vizepräsident El Salvadors und steht daher unter permanentem Polizei- und Militärschutz. Verständlich, schließlich ist El Salvador neben dem Nachbarland Honduras eines der Länder mit der höchsten Mordrate weltweit.

zentral-amerika-teil1-02

Nicht nur vor dem Anwesen, sondern im ganzen Land gab es überall schwer bewaffnete Wachen vor Tankstellen oder Supermärkten, die mit Schrotflinten und Maschinengewehren mögliche Diebe abschrecken wollen. In einem Land mit hoher Kriminalität und sehr hohen Analphabetentrate ist dies anscheinend leider erforderlich.

Nachdenklich gestimmt verließen wir das Anwesen. Das Aufeinandertreffen von zum Teil extremer Armut, sehr vielen Kindern, die keinen Zugang zu Schulbildung haben und der überall angespannten Sicherheitssituation ist vor Ort einfach überall fühlbar.

Nun aber zu unserem eigentlichen Thema: Kaffee!

teil1-05Nach einem kurzen Imbiss ging es zur Aufzuchtstation von Andrés, wo er seine Stecklinge hochzieht. Die Aufzuchtstation und „Las Palmas“, eine seiner zwei Farmen, liegen in der Nähe von San Miguel, in der Nähe eines Vulkans. Der Vulkan ist aktiv und spuckte Lava während wir dort waren. Umgangssprachlich wird der Vulkan auch Kakaoberg genannt, da die Böden rund um den Vulkan aufgrund der Eruptionen sehr fruchtbar und besonders gut geeignet für unter anderem Kaffee sind.

Auf dem Weg dorthin wurden wir mit etwas konfrontiert, was wir schon bei der Gründung von Obenauf immer abgelehnt haben: In benachbarten Kooperativen wurden wir erstmals Zeuge von Kinderarbeit, welche wir prinzipiell ablehnen. „Interessant“ allerdings, dass Kooperativen sich solcher Mittel bedienen, werden diese bei uns doch immer als heile Welt vermarktet. Neben der unsäglichen Kinderarbeit waren die Farmen darüber hinaus auch schlecht bewirtschaftet und der Fokus nicht auf höchste Qualität, sondern wie leider so oft nur auf maximalen Ertrag ausgerichtet. Das wir dort keinen Kaffee probiert haben, muss an dieser Stelle wohl nicht weiter erläutert werden.

Und so führte uns unsere Reise weiter quer durchs Land zur zweiten Farm von Andrés namens „la Quintanilla“. Dort waren die Spuren des vergangenen Bürgerkriegs immer noch deutlich zu sehen: Die Landschaft war geprägt durch Einschlagkrater. Andrès Ur-Oma hatte die erste Farm gegründet, aber alle männlichen Nachfahren waren Anwälte. Andrès hat auch Jura in den USA studiert und könnte jederzeit die Kanzlei seinen Vaters übernehmen, will aber dem Weg seiner Ur-Oma folgen, da Kaffee seine Leidenschaft ist.

zentral-amerika-teil1-07

Auf „la Quintanilla“ ist neben der Farm auch die Verarbeitungsstation (Wetmill), wo auch die Trocknung der Bohnen stattfindet. Andrés ganzer Stolz ist seine ganz spezielle und seltene Bohnensorte, die es aufgrund des lehmhaltigen Bodens mit hohem Eisenanteil nur dort gibt – eine superrare Varietät aufgrund des dortigen Mikroklimas, ein Bourbon Tekisic. Der Dachverband, unter dem Andrès diese Bohnen vertreibt, nennt sich Esperanza (spanisch für Hoffnung).

Uns gefiel dieser Name sehr, so dass wir unser kommendes Produkt als Zeichen der Wertschätzung von Andrés hervorragender Arbeit ebenfalls so nennen werden.

zentral-amerika-teil1-08

Das wir uns für Andrés Spezialbohnen entschieden haben, hat allerdings nicht nur etwas mit der hervorragenden Qualität zu tun: Auf seinen Farmen gibt es keine Kinderarbeit, zudem ist seine Familie sehr bemüht, sie greift jedem Arbeiter und dessen Familie finanziell unter die Arme und ermöglicht den Kindern Zugang zu Bildungseinrichtungen. Außerdem vergibt Andrés für seine interessierten Arbeiter Stipendien, falls diese sich ebenfalls weiterbilden wollen. Ein, wie wir finden, wirklich tolles Konzept!

Weiter ging es mit dem Bus durch El Salvador, wo wir nicht nur die beste Ananas unseres Lebens gegessen haben, sondern auch dort in den Genuss der landestypischen Küche kamen: Es wird viel mit Kochbananen gekocht und überall gab es sehr guten, frischgepressten Mandarinensaft. Ansonsten gab es, wie in vielen mittelamerikanischen Ländern, die obligatorische schwarze Bohnenpaste und Tortillas.

Beeindruckend war auch das Treiben auf den Straßen. Anwohner kochen oder bereiten etwas vor ihrem Haus zu und versuchen es an passierende Autos zu verkaufen. Die Wohnverhältnisse sind sehrt ärmlich, abgesehen von den riesigen Marienstatuen und Fußballstadien ähnlichen Kathedralen.

 

zu Teil 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.