Mit OBENAUF um die Welt: Zentral-Amerika (Teil 2)

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Nach dem Trip durch El Salvador war es aber für uns Zeit, zurück nach Mexiko zu fahren, da wir dort mit weiteren Kaffeefarmern verabredet waren. Vom Grenzübergang Tapachula im Süden Mexikos ging es weiter Richtung der Finca „Hamburgo“. Zur Begrüßung gab es nicht nur das gewohnt eher deftige mexikanisches Essen, sonder auch das in Mittelamerika sehr beliebte Erfrischungsgetränk namens Jamaica. Ein aus Hibiskus gemachter Eistee.

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Wir trafen Thomas Edelmann, trotz des Namens ein mexikanischer Farmer, der massiv unter den folgen des Kaffeerosts leidet wie die meisten Farmen in Mittel- und Südamerika. Vor zwei Jahren verlor er 80 Prozent seiner Pflanzen. Daher kultiviert er nun vermehrt Kreuzgattungen aus Indien, die eine natürliche Resistenz gegenüber dem Schädling haben. zudem baut er Pflanzen der Gattungen Canephora und Liberica an, um anschließend auf deren Wurzelwerk seine bisherigen Varietäten zu verpflanzen.

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Da in Mittelamerika Kinderarbeit ein riesiges Problem darstellt, versucht man hier mit zusätzlichen Sozialleistungen gegen zu steuern. Auf den Nachbarfarmen mussten wir hunderten Kleinkindern bei der Arbeit zu sehen. Unfassbar, aber zum Glück geht Thomas Edelmann  andere Wege, da er neben dem regulären Lohn seinen Angestellten weitere Sozialleistungen zur Verfügung stellt: jeder Arbeiter erhält einen privaten Bereich für sich und seine Familie in einem gemauerten Steinhaus.

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Alle Häuser verfügen über fließendes Wasser und kostenlosen Strom. Es wurden Privatschulen gebaut und jeder Arbeiter erhält kostenlose Grundnahrungsmittel wie Tortillas (30 Stück pro Tag) und Bohnen. Hier besteht also keine Notwendigkeit, die Kinder für den Erhalt der Familie arbeiten zu lassen. Sie können zum Glück die Schule besuchen.

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Aber nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch der Kaffee der Edelmanns ist absolut vorbildich. Bruno, der Sohn von Thomas Edelmann [ist das richtig? Hab die stelle nicht verstanden!!], hat revolutionäre Wege im amerikanischen Kaffee eingeschlagen: Er baut Kaffee ebenfalls trocken und halbtrocken an. Die Ergebnisse sprachen beim Verkosten für sich – einfach nur wahnsinnig gut! Wer sich schon über die deutschen Namen der Beiden gewundert hat: Die Farm wurde 1888 von deutschen Auswanderern gegründet und bis heute ist die Familie des Deutschen mächtig. Absolut erstaunlich ist, dass viele Maschinen nach fast hundert Jahren immer noch im Einsatz sind. So wird beispielsweise ein Wasserkraftwerk mit Siemens-Turbinen aus dem Jahre 1920 für die komplette Stromversorgung der Farm genutzt.

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Aber trotz des hervorragenden Kaffees bei Bruno und Thomas wollten wir uns neben den mehreren, von uns besuchten konventionell geführten Farmen auch die erste Bio-dynamische Farm der Welt besuchen. Dynamisch bedeutet hier, dass alles, was hier verwendet wird, auch strikt selbst gewonnen sein muss. Holz, Dünger, Nahrung – einfach alles. Aus dem Fruchtfleisch der Kaffeekirschen wird in Gährbehältern Methan erzeugt und wiederum zur Erzeugung von Strom genutzt. Die Farm beliefert Demeter-Abnehmer. Hinsichtlich des Umweltaspekt definitiv eine Hausnummer für sich! Im Unterschied zum ökologischen Landbau werden bestimmte Präparate verwendet, wobei die „kosmischen Rhythmen“ des Mondes und der Planeten berücksichtigt werden. Im Pflanzenbau werden Pflegemaßnahmen (Unkrautkontrolle) sowie Aussaat, Pflanzung und Ernte auf Mondphasen und Planetenpositionen abgestimmt. Uns gefiel der Umweltaspekt zwar sehr gut, allerdings sind wir auch an außergewöhnlichem Kaffeegeschmack interessiert. Leider mussten wir hier feststellen, dass die Qualität des Kaffees und dessen Geschmack anscheinend eher nachrangig ist.

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Mit bleibenden Erinnerungen an schwerbewaffnete Sicherheitsleute, eine quasi deutsche Farm mitten in Mexiko und natürlich mit den ersten Esperanza-Bohnen im Gepäck traten wir ein wenig wehmütig die Rückreise nach Mannheim an, freuen uns aber schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Andre, Thomas und Bruno. Wir danken allen Farmern für ihre Gastfreundschaft!

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